Die Menschen stärken.
Die Sachen klären
Hartmut von Hentig
Das Mediationsgespräch
- ein Prozess in 5 Phasen
I Vorbereitung
Wer nimmt an der Mediation teil?
- Orientieren
- Parteien zusammenbringen
- Ziele klären
- Rahmenbedingungen klären
- Regeln festlegen
- Vertrag abschließen
Am besten ist es, wenn die Konfliktparteien gemeinsam den Wunsch nach einer Mediation äußern und entsprechende Schritte einleiten. Meist ist dies jedoch nicht der Fall, sondern eine der Konfliktparteien ergreift die Initiative. Die Mediatoren nehmen dann den Kontakt zu den übrigen Konfliktparteien auf und versuchen, sie zu einer Teilnahme am Mediationsgespräch zu bewegen. Es ist auch möglich, dass die Initiative von Dritten ausgeht. Diese sprechen dann alle Konfliktparteien an und schlagen den Versuch eines Mediationsgespräches vor.
Voraussetzung für eine Erfolg versprechende Mediation ist die Bereitschaft aller Beteiligten, aktiv an dem Gespräch teilzunehmen und nach einer einvernehmlichen Problemlösung zu suchen.
Die Mediatoren sorgen dafür, dass das Gespräch in einer wohltuenden, offenen und vertrauensfördernden Atmosphäre stattfinden kann. Der Gesprächsraum ist sorgfältig ausgewählt und gestaltet, die Sitzordnung ermöglicht eine gleichwertige Kommunikation untereinander und die einleitenden Worte schaffen ein Klima des Angenommenseins und des Vertrauens. Die Vertraulichkeit über die Gesprächsinhalte auf Seiten der Mediatoren ist verpflichtend.
Die Gesprächsteilnehmer werden kurz über den Ablauf, die Rolle der Mediatoren und die Grundregeln des Gesprächs informiert.
Unverzichtbare Grundregeln sind:
- Ausreden lassen
- Keine Beleidigungen oder Handgreiflichkeiten
- Die Mediatoren haben die Verantwortung für den Gang
des Gespräches und greifen ein, wenn es erforderlich ist.
Weitere Regeln, z. Bsp. über die Vertraulichkeit, können gemeinsam vereinbart werden.
Schließlich werden alle Beteiligten nach ihrer Bereitschaft gefragt, sich auf die Regeln und das Verfahren einzulassen.
Solange dem Mediator noch eine Lösung einfällt, hat er das Problem nicht wirklich verstanden.
Marshall B. Rosenberg
II Probleme erfassen und verstehen
Sichtweise der einzelnen Konfliktparteien
- Probleme artikulieren
- Probleme verstehen
- Ziele klären
- Erhoffte Gewinne durch den Konflikt klären
Jede Seite hat nun Gelegenheit, den Konflikt aus ihrer Sicht zu erzählen. Sie bekommt dafür so viel Zeit, wie sie benötigt, um alles auszusprechen, was ihr wichtig ist. Die Mediatoren hören aktiv zu, stellen gegebenenfalls Fragen und fassen das Gehörte zusammen. Die anderen Kontrahenten hören in diesem Stadium nur zu und müssen ihre Erwiderungen auf den Zeitpunkt verschieben, zu dem sie selber mit dem Erzählen dran sind. Sie können sich jedoch Notizen machen, um nicht zu „platzen“ und ihre Einwände somit in Erinnerung zu behalten.
Der Aufbau von Vertrauen ist wichtiger als die Klärung von Fakten.
Hartmut Schäffer
III Den Konflikt verstehen
Konflikterhellung: verborgene Gefühle, Interessen, Hintergründe
- Tiefenstrukturen aufdecken
- Bedingungen und Hintergründe des Konflikts aufdecken
Soweit das noch nicht in der voran gegangenen Phase geschehen ist, sollen nun die mit dem Konflikt verbundenen Gefühle zum Ausdruck gebracht und die Interessen und Wünsche herausgearbeitet werden, um die es den Beteiligten eigentlich geht. Alles, was als Hintergrund des offenen Streits von Bedeutung ist, soll zur Sprache kommen. Die Mediatoren sind bei der Erhellung des Konfliktes behilflich, indem sie geeignete Fragen stellen und die Konfliktparteien beim Ausdrücken von Gefühlen und Bedürfnissen einfühlsam unterstützen.
Die Kommunikationsrichtung wird zunehmend auf den Kontakt der Kontrahenten untereinander verlagert. Kernsätze zum Verständnis einer Konfliktpartei sollen zunehmend in eigenen Worten von den Kontrahenten zusammengefasst werden. Die Mediatoren leiten sie dazu an und geben Hilfestellungen.
Ist der Kontakt wieder hergestellt, findet uns die Lösung.
M.B. Rosenberg
IV Konflikte und Probleme bearbeiten
Sammeln und Entwickeln von Lösungsmöglichkeiten
- Brainstorming, um Lösungswege zu generieren
- Möglichkeiten erweitern
- Anliegen bewusst machen
- Refexion der Anliegen Dritter
- Bewertung der Optionen
Wenn durch die voran gegangene Phase ein gegenseitiges Verstehen ermöglicht wurde, können die Streitenden nun überlegen, wie sie ihre Meinungsverschiedenheiten beilegen wollen. Aus dem „Konflikt“ wurde ein „Problem“, für dessen Lösung alle Kontrahenten gemeinsam Verantwortung tragen. Mit geeigneten Methoden werden kreative Ideen gesammelt und die interessantesten zu Lösungsvorschlägen ausgearbeitet.
V Mediationsvereinbarung
Übereinkunft und Umsetzung
- Lösungen auswählen und umsetzen
- Kontrolle der Implementation festlegen
- Einigung vertraglich festlegen
Die Konfliktparteien einigen sich auf die Lösungsvorschläge, die ihnen am meisten zusagen. Sie regeln alle Fragen, die mit der Überprüfung und eventuell erforderlichen Überarbeitung der Vereinbarung zu tun haben. Das Ganze wird schriftlich festgehalten und von allen an der Mediation Beteiligten unterschrieben.
Nach einer verabredeten Zeit nehmen die Mediatoren und die Konfliktbeteiligten evtl. noch einmal Kontakt zueinander auf, um zu klären, ob die Übereinkunft tatsächlich die Probleme gelöst hat. Falls nötig, müssen Korrekturen angebracht werden oder es muss ganz neu verhandelt werden.
Bei neu auftretenden Schwierigkeiten haben die ehemaligen Konfliktparteien aus der Mediation soviel gelernt, dass sie viele Dinge jetzt mit einem neuen Instrumentarium allein zufrieden stellend lösen können. Bei größeren Konflikten können sie erneut Mediation in Anspruch nehmen.